Egon Eiermann Preis 2017

Ideenfindung, Auslobung, Vorprüfung, Organisation und Dokumentation des Wettbewerbs

Die Eternit GmbH lobte zum zwölften Mal den Egon-Eiermann-Preis für Architekturstudierende und Absolventen aus. Mit diesem Preis soll Studierenden der Fachrichtung Architektur und Absolventen eine Plattform geboten werden, ihre Entwurfsideen einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Die Preisträgerarbeiten werden ausgestellt und in einer Publikation veröffentlicht.

Am Egon-Eiermann-Preis 2017 können alle Studierenden der Fachrichtung Architektur teilnehmen, die an einer deutschen Hochschule studieren und ihren Wohnsitz in Deutschland haben. Außerdem können Absolventen
teilnehmen, deren Diplom, Bachelor oder Master in Architektur nicht länger als zwei Jahre zurückliegt und die ihren Wohnsitz in Deutschland haben.

Preisträger:

„Alte Ziegelei – Landbad Bordenau“
Nick Chadde

Jurybegründung:
Die Faszination der Arbeit liegt in der poetischen Transformation einer ehemaligen Ziegelbrennerei zu einem ruralen Wohlfühlbad auf dem Lande. Mit starken Bildern aber ebenso klugen und handwerklich präzise gesetzten Grundrissen, Schnitten und Details gelingt es, ein identitätsstiftendes Gebäude vom Gewerblichen ins Kulturelle zu translozieren und somit einen wunderbaren Ort für eine generationsübergreifende dörfliche Gemeinschaft anzubieten.

Preisträger:

„Handwerk als Impulsgeber“
Philipp Hufschmid, Patrick Fromme

Jurybegründung:
Das neue Gebäudeensemble für einen Drechsler zeigt sich stark verwurzelt mit der Landschaft und wiederspiegelt die soziale, ökologische und kulturelle Tradition der Bewohner. Mit einer authentischen Sachlichkeit wird die Geschichte des Ortes weitergeschrieben und neu interpretiert. Die Häuser stehe sowohl für sich wie auch als ein Teil der dörflichen Struktur. Die Aufteilung der Funktionseinheiten Arbeiten, Wohnen und Ausstellen bzw. Verkaufen in drei eigenständige Gebäude entspricht dem handwerklichen Prozess, der den Häusern einen nachhaltigen Sinn verleiht. Man kann im besten Sinne sagen, dass alles in sich stimmig ist. Jedes Element der Architektur erfüllt seine Aufgabe und bildet dabei ein Ganzes, welches rückwirkend nicht mehr in seine Einzelteile zerlegt werden kann.

Preisträger:

„Samen-Bibliothek“
Johannes Wohlfarth, Ralf Erdei

Jurybegründung:
Das Projekt besticht durch einen starken skulpturalen Ausdruck, der von der Nutzung eines gigantischen Samensilos vorgegeben ist. Die Weiten der amerikanischen landwirtschaftlichen Anbaugebiete lassen das gewaltige Betongebäude als von Weitem sichtbare Landmark in Erscheinung treten. Das raue Erscheinungsbild setzt sich auch im Inneren fort und wird konsequent umgesetzt. Der Entwurf steht für eine gesellschaftliche Utopie, bei der die Artenvielfalt in den Fokus rückt, aktiv von den Nutzern gefördert wird und so das Gefühl einer Gemeinschaft in den Mittelpunkt stellt: Ein Thema, das gerade heute in der Landwirtschaft wieder aktuell ist.

Preisträger:

„Anti|Museum“
Kyra Mootz

Jurybegründung:
Der Beitrag Anti|Museum liefert einen konzeptionellen Ansatz, das Gelände der ehemaligen Steinkohlegrube Frankenholz zu vitalisieren und dem Areal durch gezielte Interventionen zu einer neuen Identität zu verhelfen. Es werden Zeitschichten sowie ihre Potenziale, geprägt von den Parametern heutiger Anforderungen, differenziert und komplex gedacht und vernetzt; somit entsteht ein spannendes Miteinander von Landschaftsraum, Bestand und Neubau. Ein Beitrag, der vielschichtige Ansätze bezogen auf die zukunftsorientierte Revitalisierung ländlicher Brachflächen aufzeigt.

Preisträger:

„Der zweckfreie Raum – zeitgenössischer Archetyp im morphologischen Palimpsest der historischen Altstadt
Grebensteins“
Juri Franck

Jurybegründung:
Die ganzheitliche Betrachtung einer Stadt und die sorgfältige Analyse der Strukturen und der Bauten waren schon immer die Grundlage für eine gelungene Weiterentwicklung. Solange die städtebaulichen Strukturen erhalten bleiben, können einzelne Bausteine bei Bedarf ausgetauscht werden. Die Arbeit zeigt uns, dass eine Stadt wie ein Buch gelesen werden kann. Erst wenn wir die Geschichte verstanden haben, kann ein neues Kapitel hinzugefügt werden.

Preisträger:

„Wiederbelebung der Kirchtürme“
Lisa-Marie Hottenrott

Jurybegründung:
Der Beitrag beschäftigt sich mit dem historischen Bestand von leerstehenden Kirchturmanlagen. Durch deren Revitalisierung wird versucht, Attraktoren für den Ort sowie auch für den regionalen Kontext zu gewinnen, indem die Kirchtürme untereinander vernetzt werden. Der historische Bestand wird in Form einer Raum-in Raum-Konzeption neuen Nutzungsszenarien zugeführt. Die Verfasserin setzt sich intensiv mit Raumkonfigurationen sowie Blickbeziehungen auseinander. Öffnungen werden gezielt thematisiert und Implantate sensibel in die bestehende Struktur eingefügt. Ein gelungener Beitrag zur Aufgabenstellung.

Preisträger:

„Kulturarchiv Uckermark“
Jannis Petereit, Rebekka Kühn

Jurybegründung:
Mit diesem Kulturarchiv für die Uckermark wird bauplastisch eine Landmark angeboten, die gekonnt kokettiert mit dem regionalen Kontext, einer ortsspezifischen Identität und einem zukunftsweisenden modernen Bauwerk, welches das traditionelle Handwerk mit ingenieurtechnischen Feinheiten verwebt. In der Kombination aus offener Landschaft, verortetem Sockelbau und darüber schwebendem raumhaltigen und transluzentem Dach gelingt ein außergewöhnlicher Ort im Herzen einer dünn besiedelten Region.

Preisträger:

„Die Unausweichlichkeit des Raumes im Valle Maira“
Lisa Schneider

Jurybegründung:
Das Projekt einer Resozialisierungsanstalt für Strafgefangene am „Ende der Welt“ in den Bergen nutzt die Leere und Kargheit der Felsenlandschaft um sich mit subtiler Präzision in die bestehende Landschaft einzufügen. Die lineare Anordnung der Funktionen betont den Weg der Resozialisierung und definiert geschickt einen inneren Bereich, welcher der Abgeschiedenheit und Einöde der Berge entgegenwirkt. Der rohe Beton der Ausführung harmonisiert mit der felsigen Umgebung, so dass die Gebäude Teil der Landschaft werden.